Wenn du bereits auf Amazon oder eBay verkaufst, kommt irgendwann die Frage: Lohnt es sich, auf OTTO zu verkaufen und einen weiteren Marktplatz in deine Strategie aufzunehmen?
OTTO ist in Deutschland kleiner als Amazon und eBay. In einigen wichtigen Produktkategorien liegt OTTO aber vor eBay. Gleichzeitig ist der Zugang zum Marketplace stärker eingeschränkt und die Händlerstruktur eine andere.
Für die Entscheidung sind deshalb nicht nur die Größe des Marktplatzes und die Provision interessant. Viel wichtiger ist, ob OTTO zu deinem Sortiment passt und wie viel zusätzlichen Aufwand der Kanal verursacht.
OTTO ist kleiner als Amazon und eBay. In manchen Kategorien aber größer.
Amazon ist in Deutschland klar größer. Auch ebay.de liegt insgesamt vor otto.de. Für 2025 schätzt ECDB das GMV von ebay.de auf rund 10,7 Milliarden US-Dollar und das von otto.de auf rund 8,5 Milliarden US-Dollar.
Bei einzelnen Produktgruppen sieht das Verhältnis aber anders aus.
Bei Möbeln liegt OTTO in Deutschland auf Platz 2 hinter Amazon. eBay gehört hier nicht zu den drei größten Online-Anbietern. Bei Gartenprodukten liegt OTTO ebenfalls auf Platz 2 vor eBay. Bei Sportgeräten sieht es genauso aus.
Bei Baumarkt- und DIY-Produkten liegt dagegen eBay vor OTTO.
Das ist für einen bestehenden Amazon- oder eBay-Händler die wichtigere Information als die Gesamtgröße des Marktplatzes.
Ist OTTO in deiner Kategorie groß genug?
Genau diese Frage würde ich vor dem Start stellen.
Wenn du Möbel, Gartenprodukte oder Sportartikel verkaufst, ist OTTO in Deutschland bereits einer der führenden Online-Anbieter in deiner Kategorie.
Bei Baumarktprodukten sieht es anders aus. Hier liegt eBay vor OTTO.
Auch bei Schuhen ist eBay stärker positioniert. OTTO ist also nicht automatisch der bessere nächste Kanal. Es hängt stark davon ab, was du verkaufst.

Quelle: ECDB, Deutschland 2025.
Möbel · Garten · Sportgeräte · DIY · Schuhe
Die Kategorie ist also der erste Filter.
Wenn dein Sortiment genau dort stark ist, wo OTTO bereits eine hohe Marktposition hat, spricht deutlich mehr für einen Test als bei einem Sortiment, in dem eBay bereits klar vor OTTO liegt.
Weniger internationale Händler, andere Wettbewerbssituation
OTTO öffnet den Marketplace nur für Unternehmen aus bestimmten europäischen Ländern. Aktuell gehören Deutschland, die Niederlande, Polen, Österreich, Frankreich und Spanien dazu. Jede Bewerbung wird individuell geprüft.
Unternehmen mit Sitz in China können derzeit nicht direkt als OTTO-Market-Händler starten. Auch der Versand muss aus einem Lager in Deutschland oder der EU erfolgen.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu Amazon und eBay.
Du hast dort nicht dieselbe Situation wie auf einem global geöffneten Marketplace, auf dem Händler aus praktisch allen Teilen der Welt direkt gegen dich verkaufen können.
Das bedeutet nicht, dass auf OTTO keine asiatischen Marken oder Produkte auftauchen. Der direkte Zugang für Händler aus diesen Ländern ist aber nicht offen.
Für einen Händler mit eigener Marke kann das einen deutlichen Unterschied machen. Gerade bei Produkten, bei denen du auf Amazon oder eBay mit vielen sehr günstigen Importangeboten konkurrierst, ist die Wettbewerbssituation auf OTTO eine andere.

OTTO ist damit nicht einfach „der kleinere eBay-Kanal“. Der Marktplatz hat eine andere Händlerstruktur und eine deutlich stärkere Fokussierung auf den deutschen und europäischen Markt.
Bevor du Produkte überträgst: Kannst du überhaupt auf OTTO verkaufen?
Das solltest du vor der eigentlichen Vorbereitung prüfen.
OTTO verlangt für deutsche Unternehmen eine deutsche Unternehmensrechtsform, einen Firmensitz in Deutschland und eine eigene deutsche Umsatzsteuer-ID. Kleinunternehmer nach §19 UStG sind ausgeschlossen.
Für polnische, niederländische, österreichische, französische und spanische Unternehmen gelten eigene zugelassene Rechtsformen und weitere steuerliche Anforderungen.
Außerdem brauchst du deutschsprachigen Kundenservice. Deine Ware muss aus Deutschland oder der EU versendet werden und Retouren müssen in Deutschland oder bestimmten EU-Ländern angenommen werden.
Das ist für etablierte Amazon- und eBay-Händler normalerweise kein großes Problem. Es ist aber etwas, das du vor dem Start klären solltest.
EAN ist auf OTTO Pflicht
Bei OTTO müssen die angebotenen Produkte eine gültige EAN besitzen und als Neuware verkauft werden.
Für einen klassischen Markenhersteller ist das normalerweise kein Problem.
Interessanter wird es bei Amazon-Sortimenten, die mit einer GTIN-Ausnahme aufgebaut wurden. Wenn du dort Produkte ohne normale EAN verkaufen kannst, solltest du vor der Übertragung prüfen, ob diese Produkte überhaupt für OTTO geeignet sind.
Das kann bei einem größeren Sortiment schnell zum Ausschlusskriterium werden.
Deine Produkte sind schon da. Die Frage ist, wie schnell du sie auf OTTO bekommst.
Wenn du bereits mehrere hundert oder tausend Produkte auf Amazon, eBay, Shopify oder in deinem Shop verwaltest, ist das eigentliche Problem nicht das Erstellen eines einzelnen OTTO-Listings.
Das Problem ist die Menge.
Niemand möchte 2.000 Produkte noch einmal manuell kategorisieren, Attribute übertragen, Varianten prüfen und anschließend einzeln veröffentlichen.
Genau hier lohnt sich eine bestehende Produktverwaltung.
Mit dem OTTO Listing Tool von Eselt kannst du deine Produkte schneller für OTTO vorbereiten und veröffentlichen.
Mit Eselt kannst du deine vorhandenen Produktdaten für OTTO vorbereiten und den neuen Verkaufskanal in deine bestehende Multichannel-Struktur integrieren.
Du musst dein Sortiment also nicht komplett neu aufbauen. Bestehende Produktdaten können als Ausgangspunkt dienen und für die Anforderungen von OTTO angepasst werden.
Anschließend lassen sich Produkte, Bestände und Bestellungen zusammen mit deinen anderen Verkaufskanälen verwalten.

Was ist bei Versand und Retouren anders?
Für Amazon-Händler ist das wahrscheinlich einer der größten praktischen Unterschiede.
Wenn du bisher stark mit FBA arbeitest, übernimmt Amazon einen großen Teil der Logistik. Bei OTTO organisierst du Versand und Retouren selbst oder über deinen Fulfillment-Partner.
OTTO verlangt bei Paketware einen unterstützten Versanddienstleister. Für Retouren gelten ebenfalls feste Vorgaben. Die Ware muss aus Deutschland oder der EU versendet werden.
Für einen normalen DHL-, DPD-, GLS-, Hermes- oder UPS-Prozess ist das kein ungewöhnlicher Aufwand.
Anders sieht es bei sehr günstigen Produkten aus.
Wenn du auf eBay einen 8-Euro-Artikel mit einfachem Briefversand verschickst, solltest du die Kalkulation für OTTO neu machen. Für Paketware gelten dort Anforderungen an den Versand und die Nachverfolgbarkeit.
Das ist einer der Punkte, bei denen ein Produkt auf eBay funktionieren kann, während sich derselbe Artikel auf OTTO wirtschaftlich nicht lohnt.
Was kostet OTTO?
Die monatliche Grundgebühr beträgt aktuell 99,90 Euro.
Dazu kommt eine Verkaufsprovision, die von der Produktgruppe abhängt. Die Payment-Gebühr von 2,7 Prozent ist bereits in den veröffentlichten Gesamtprovisionen enthalten.
Einige Beispiele:
| Produktgruppe | Provision |
|---|---|
| Elektronik | 7 % |
| DIY | 13 % |
| Garten | 15 % |
| Küche & Haushaltswaren | 15 % |
| Möbel bis 150 € | 19 % |
| Möbel 150–500 € | 18 % |
| Möbel über 500 € | 17 % |
| Damenbekleidung bis 25 € | 17 % |
| Damenbekleidung 25–75 € | 16 % |
| Damenbekleidung über 75 € | 14 % |
Stand 2026. Die aktuellen Werte veröffentlicht OTTO in seiner Sortimentsübersicht.
Vergleichen solltest du aber nicht nur die Provision.
Wenn du Amazon FBA nutzt, kennst du bereits die Kombination aus Verkaufsgebühr, Versand, Lagerung und weiteren FBA-Kosten.
Bei eBay sind Versand und Retouren ebenfalls Teil deiner tatsächlichen Kosten.
Für OTTO würde ich deshalb nicht fragen:
„Ist die Provision höher oder niedriger als bei Amazon?“
Sondern:
„Was bleibt mir pro Bestellung nach allen Kosten übrig?“

Das ist die Zahl, die du mit deinen Amazon- und eBay-Kennzahlen vergleichen solltest.
Muss ich auf OTTO genauso viel Werbung kaufen wie auf Amazon?
Das ist wahrscheinlich eine der interessanteren Fragen für Amazon-Händler.
OTTO bietet Sponsored Product Ads an. Die Anzeigen können prominent in Suchergebnissen, Produktlisten und auf Produktdetailseiten platziert werden. Das Modell arbeitet auf CPC-Basis.
Auch die technische Steuerung ist inzwischen ziemlich nah an dem, was Amazon-Händler kennen. Es gibt automatische und manuelle Kampagnen. Bei manuellen Kampagnen lassen sich Keywords mit Exact, Phrase und Broad Match steuern.
Der wichtige Unterschied: Aus den öffentlich verfügbaren OTTO-Daten lässt sich nicht ableiten, dass du wie auf Amazon zwingend einen großen Teil deines Umsatzes in Werbung investieren musst, um überhaupt sichtbar zu werden.
OTTO hat zwar Werbung und du kannst damit gezielt Sichtbarkeit kaufen. Gleichzeitig ist der Marktplatz kleiner und das Verkäuferfeld stärker begrenzt.
Wie viel Werbebudget sinnvoll ist, hängt deshalb stark von Kategorie, Produkt und Wettbewerb ab.
Für den Start würde ich nicht mit der Frage rechnen:
„Wie viel muss ich für Werbung ausgeben?“
Sondern:
„Welche meiner Produkte bekommen auf OTTO bereits Nachfrage und bei welchen lohnt sich zusätzliche Sichtbarkeit?“
Das ist ein deutlich sinnvollerer Ausgangspunkt als ein pauschaler Vergleich mit dem Amazon-ACOS.
Du musst nicht sofort dein komplettes Sortiment auf OTTO bringen
Wenn du bereits 5.000 oder 20.000 Produkte hast, gibt es keinen guten Grund, alle gleichzeitig auf einen neuen Marktplatz zu stellen.
Du kennst deine Bestseller bereits.
Du kennst deine Margen.
Du weißt, welche Produkte häufig zurückgeschickt werden und welche Varianten Probleme machen.
Nutze diese Daten.
Starte mit den Produkten, die eine gute Marge, stabile Nachfrage und saubere Produktdaten haben. Besonders interessant sind dabei Artikel aus Kategorien, in denen OTTO bereits stark ist.
Wenn diese Produkte funktionieren, kannst du das Sortiment Schritt für Schritt erweitern.

Was du von Amazon und eBay mitnehmen kannst
Der große Vorteil eines bestehenden Amazon- oder eBay-Händlers ist, dass du nicht bei null anfängst.
Du hast bereits Produktdaten.
Du kennst deine Bestseller.
Du hast Versandprozesse.
Du kennst deine Retourenquote.
Und du weißt, welche Produkte eine vernünftige Marge haben.
Das macht den Einstieg auf OTTO wesentlich einfacher als für einen Händler, der gerade erst mit Marketplace-Verkauf beginnt.
Die Arbeit liegt vor allem darin, deine bestehenden Daten und Prozesse an OTTO anzupassen und nicht alles noch einmal von Hand aufzubauen.
Genau hier kann eine Multichannel-Lösung sinnvoll werden. Wenn dein Sortiment bereits zentral verwaltet wird, musst du für OTTO nicht plötzlich ein zweites System für Produkte, Bestände und Bestellungen aufbauen.
Mit Eselt kannst du OTTO zusammen mit Amazon, eBay, Shopify und WooCommerce verwalten.
Wann lohnt es sich, auf OTTO zu verkaufen?
Für mich gibt es dafür drei klare Situationen.
Erstens: Dein Sortiment gehört zu Kategorien, in denen OTTO stark ist. Möbel, Garten und Sport sind dafür gute Beispiele.
Zweitens: Du hast eine eigene Marke oder ein Sortiment, bei dem du auf Amazon und eBay stark mit internationalen Preisangeboten konkurrierst. Der stärker begrenzte Zugang zum OTTO Marketplace kann hier ein echter Unterschied sein.
Drittens: Du hast bereits funktionierende Produkt- und Logistikprozesse. Dann musst du für den zusätzlichen Kanal nicht dein gesamtes Unternehmen neu aufbauen.
Weniger interessant ist OTTO, wenn deine Produkte nur über sehr niedrige Preise funktionieren, du auf ungetrackten Briefversand angewiesen bist oder ein großer Teil deines Sortiments keine EAN besitzt.
Fazit: Für wen lohnt es sich, auf OTTO zu verkaufen?
OTTO ist nicht einfach eine kleinere Version von Amazon oder eBay.
Der Marktplatz ist insgesamt kleiner. In einigen Kategorien ist OTTO aber stärker als eBay. Dazu kommt ein deutlich stärker begrenzter Zugang für Händler und eine andere Wettbewerbssituation.
Für Händler mit eigener Marke oder einem gut positionierten Sortiment kann genau das interessant sein.
Wenn du bereits auf Amazon oder eBay verkaufst, musst du deshalb nicht dein komplettes Sortiment auf OTTO übertragen.
Schau zuerst auf deine Kategorie.
Rechne die tatsächlichen Kosten durch.
Prüfe EANs und Versand.
Und überlege dann, welche 100, 500 oder 1.000 Produkte sich für einen ersten Test eignen.
Wenn die Zahlen stimmen, kannst du den Kanal skalieren.
Und wenn du nicht vorhast, tausende Produkte noch einmal manuell für OTTO aufzubereiten, kannst du deine bestehenden Produktdaten mit Eselt für OTTO nutzen und den neuen Kanal zusammen mit deinen bestehenden Verkaufskanälen verwalten.
